Aus f&uumlr; die Laus

Wirkstoffe gegen Kopflausbefall

Als wichtigste Arzneimittel gegen Kopflausbefall sind derzeit Präparate mit folgenden insektiziden Wirkstoffen in Deutschland zugelassen: Allethrin, Permethrin und Pyrethrum. Der ursprünglich ebenfalls gelistete Wirkstoff Lindan ist seit 2008 europaweit in Läusemitteln verboten. Auch von Allethrin raten einige Experten ab, da es entsprechende Präparate in Deutschland nur als Spray gibt und der Wirkstoff bei der Behandlung eingeatmet werden kann.

Ein im Juli 2012 eingeführtes Shampoo auf Basis von Malathion, einem organischen Phosphorsäureester, wurde inzwischen vom Markt genommen. Für andere Arzneistoffe wie zum Beispiel Ivermectin, die nicht auf den Kopf aufgetragen, sondern in Tablettenform eingenommen werden und ebenfalls die Nerven- und Muskelfunktionen der Läuse blockieren, gibt es in Deutschland - trotz guter Studienlage - keine Zulassung. Ärzte können sie jedoch zum sogenannten Off-Label-Use aus dem Ausland importieren. Diskutiert wird ihre Verwendung aber lediglich als Therapieoption bei sehr starkem Lausbefall mit bakterieller Infektion der aufgekratzten Kopfhaut oder bei gleichzeitigem Milbenbefall (Scabies, Krätze).

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Pyrethrumextrakt

Ein seit über 30 Jahren erfolgreich gegen Kopfläuse eingesetzter Arzneiwirkstoff ist das rein pflanzliche Pyrethrum. Es wird aus getrockneten Chrysanthemenblüten gewonnen und zu einem hochwertigen Extrakt aufbereitet. Die Pyrethrumblume dient international seit vielen Jahrzehnten als Rohstoffquelle für die Insektenbekämpfung und wird zu diesem Zwecke hauptsächlich in Kenia angebaut. Sie enthält Substanzen, die das Nervensystem der Läuse angreifen und sie zunächst bewegungsunfähig machen. Die Parasiten können nicht mehr in unbehandelte Haarpartien flüchten. Innerhalb der 30- bis 45-minütigen Einwirkzeit werden sie in der Regel abgetötet oder so geschädigt, dass sie nicht überleben.

Das natürliche Pyrethrum ist als Insektizid in seiner therapeutischen Wirksamkeit gegen Läuse gut belegt, gilt als gut verträglich und ist ein licht- und sauerstoffempfindlicher Wirkstoff. Das hat den Vorteil, dass Substanzreste, die nach dem Auswaschen eventuell übrig bleiben, schnell abgebaut werden und Kopf und Haare so nicht länger belasten. Auf diese Weise ist das Risiko für unerwünschte Wirkungen geringer.

Seit einigen Jahren werden insektizide Arzneiwirkstoffe, darunter auch Pyrethrum, in Zusammenhang mit möglichen Resistenzen diskutiert, die vereinzelt im Ausland beobachtet wurden. Für Deutschland konnte jedoch in einer Studie nachgewiesen werden, dass Pyrethrum (Goldgeist® forte) nach wie vor hohe Abheilungsraten erzielt (Bialek R. et al. N Engl J Med 2011; 364: 386-7). Genmutationen, die bei Kopfläusen eine geringere Sensibilität gegenüber den Arzneiwirkstoffen verursachen könnten, scheinen demnach keinen Einfluss auf die therapeutische Wirksamkeit des in Deutschland eingesetzten Arzneimittels mit Pyrethrum zu haben.

In aktuellen Untersuchungen wurde Pyrethrum auch im direkten Vergleich mit Medizinprodukten bewertet. Diese Untersuchungen sind insofern bedeutsam, weil sie zum Teil einen hohen methodischen Standard erfüllen und die getesteten Formulierungen tatsächlich den im Markt befindlichen Produkten entsprechen.

Ein Vergleich des pyrethrumhaltigen Arzneimittels mit einem Medizinprodukt auf Basis von Paraffin, Aufschäumungsbestandteilen und Parfüm (Goldgeist® forte gegenüber Mosquito® med Läuseshampoo 10) ergab zum Beispiel für beide Präparate Tilgungsraten von 94 beziehungsweise 96,1 Prozent, womit das Behandlungsziel von 70 Prozent deutlich erfüllt wurde (Wolf L. et al. PLos ONE 2016; 11: e0156853). Entscheidend bei dieser Untersuchung ist, dass bei der Wirksamkeit beider Produkte keine signifikanten Unterschiede festgestellt wurden. Beide Produkte erwiesen sich als sicher und gut verträglich. Dass Medizinprodukte - wie in der Werbung oft behauptet - eine überlegene, da durch Resistenzen nicht beeinflusste Wirkung haben und vor allem besser verträglich sein sollen als Pyrethrum, konnte in dieser Studie eindeutig widerlegt werden.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt eine Dissertation (Bicker A.K. Kiel 2015: http://d-nb.info/1084634120/34) an der Universität Kiel aus dem Jahr 2015. Dort wurde Pyrethrum (Goldgeist® forte) mit zwei marktüblichen, dimeticonhaltigen Medizinprodukten (NYDA® und Jacutin® Pedicul Fluid) verglichen. Am Studienende waren unter dem Arzneimittel mit Pyrethrum 95,5 Prozent der Kinder lausfrei, unter den Medizinprodukten 88,9 Prozent beziehungsweise 94,7 Prozent. Jedoch waren auch hier die Unterschiede statistisch nicht signifikant.

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Die Rezeptur ist ausschlaggebend

Ziel der Kopflaustherapie ist es, möglichst nicht nur die erwachsenen Läuse abzutöten, sondern auch deren Eier (Nissen) beziehungsweise die daraus nachschlüpfenden Larven. Durch Kombination des insektiziden Wirkstoffes mit bestimmten Hilfsstoffen kann die Wirkung verstärkt und außerdem ein breiteres Wirkspektrum erzielt werden. Pyrethrumextrakt beispielsweise wirkt in Verbindung mit einem speziellen Alkohol nicht nur gegen lebende Läusestadien, sondern auch gegen die Nissen. Der Alkohol entzieht den Eiern dabei Feuchtigkeit, macht sie zugänglich für das insektizide Pyrethrum und trocknet den Nisseninhalt aus. So können gewöhnlich keine entwicklungsfähigen Larven mehr schlüpfen. Andere Hilfsstoffe in der Pyrethrumrezeptur desinfizieren Kratzwunden. Oder sie verhindern, dass der Hauptwirkstoff im Lausorganismus zu schnell abgebaut wird. Dies kann ein Vorteil bei der Behandlung bereits resistenter Läuse sein beziehungsweise davor schützen, dass widerstandsfähigere Läuse überleben und sich als resistente Population in Deutschland ausbreiten.

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Synthetische Insektizide

Synthetisch hergestellte Insektizide sind Permethrin und Allethrin. Die Wirkweise ist vergleichbar mit Pyrethrumextrakt, jedoch mit dem Unterschied, dass die synthetischen Wirkstoffe in einer anderen Gesamtrezeptur enthalten sind. Während Pyrethrumextrakt aufgrund seiner Hilfsstoffe gegen alle Entwicklungsstadien der Laus wirkt, erreichen synthetische Insektizide primär die erwachsenen Läuse sowie Larven. Besonders Permethrin weist darüber hinaus einen so genannten Langzeiteffekt auf. Dabei verbleiben Wirkstoffreste nach dem Auswaschen noch über mehrere Tage im Haar. Auf diese Weise sind nicht in erster Linie die Nissen selbst das Zielobjekt, sondern Larven, die noch Tage nach der Behandlung aus den Eiern schlüpfen können. Um den Effekt zu gewährleisten, dürfen die Haare allerdings bei permethrinhaltigen Mitteln während der ersten drei Tage nach der Behandlung nicht mit Shampoo gewaschen werden.

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Physikalisch wirksame Inhaltsstoffe

Neben insektiziden Arzneimitteln sind diverse Medizinprodukte auf dem Markt erhältlich. Sie enthalten als Wirkstoffe das chemische Silikonöl Dimeticon oder bestimmte ätherische Öle wie zum Beispiel Kokosöl, Neemextrakt oder Andirobaöl, die eine physikalische Wirkweise (Ersticken) haben sollen. Die Wirkstoffe gelangen in das Atmungssystem der Läuse und unterbinden dort den Sauerstofftransport. Unklar ist allerdings die Frage, ob tatsächlich nur eine physikalische Wirkweise vorliegt oder auch eine insektizide aufgrund bestimmter Hilfsstoffe, die in der Produktformulierung enthalten sein können. Ein Beispiel hierfür ist das insektizid wirksame Boaboöl, das einem der erhältlichen Dimeticon-Präparate als Duftstoff zugesetzt wird. Auch Neem enthält insektizide Bestandteile, vor allem den sekundären Pflanzenstoff (Triterpenoid) Azadirachtin. Aufgrund seiner bewährten insektiziden Wirkung wird Neemextrakt auch als natürlicher Fraßhemmer im Pflanzenschutz eingesetzt.

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Einwirkzeiten zum Teil sehr unterschiedlich

Die Einwirkzeit der Medizinprodukte variiert sehr stark von Produkt zu Produkt. Bei Arzneimitteln wird generell eine Behandlungszeit von 30 Minuten bis 45 Minuten empfohlen. Medizinprodukte loben je nach Formulierung Einwirkzeiten zwischen 10 Minuten bis hin zu 8 Stunden oder länger aus. Die Einwirkzeit hängt davon ab, wie spreitfähig der physikalische Wirkstoff im Produkt formuliert wird. Eine hohe Spreitfähigkeit verkürzt die Einwirkzeit, da die Substanz das Atmungssystem der Läuse schneller durchflutet. Ein möglicher Nachteil dabei ist die schnellere Verdunstung sowie die geringere Adhäsion (Haftung). Denn Läuse besitzen auch gegen physikalisch wirksame Produkte einen natürlichen Resistenzmechanismus. Durch Veränderung des Drucks sind sie in der Lage, Fremdstoffe aus ihrem Atmungssystem zu entfernen - vergleichbar mit dem Husten, wenn Flüssigkeit in die menschliche Luftröhre gelangt. Um diese Verhaltensresistenz zu überbrücken, werden bei einigen Produkten zähflüssige Öle eingesetzt, die entsprechend längere Einwirkzeiten von 8 bis 24 Stunden erfordern.

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Wirksamkeit und Verträglichkeit

Anders als Medizinprodukte durchlaufen Arzneimittel ein strenges behördliches Zulassungsverfahren, in dessen Rahmen ihre pharmazeutische und therapeutische Qualität gemäß den für Deutschland und Europa geltenden hohen Qualitätsrichtlinien durch eine unabhängige Stelle nachgewiesen werden muss. Insbesondere muss durch validierte Sicherungs- und Dokumentationsverfahren gewährleistet werden, dass die in Verkehr gebrachten Arzneimittel dauerhaft den immer gleich hohen Qualitätsstandard erfüllen. Medizinprodukte gegen Kopflausbefall unterliegen dagegen keiner qualitätsabhängigen Zulassung nach Arzneimittelgesetz. In ihrem Fall reicht es aus, wenn der Hersteller die Übereinstimmung seines Produktes mit den geltenden Sicherheitsbestimmungen erklärt. Eine Konformitätsbewertung durch eine neutrale Stelle ist je nach Risikoklassifizierung des Produktes nicht erforderlich, um die so genannte CE-Kennzeichnung zu erhalten. Diese ist notwendig, um das Produkt einzuführen.

Medizinprodukte gegen Kopflausbefall in Deutschland besitzen keine Arzneimittelzulassung. Sie können aber neben der CE-Kennzeichnung eine behördliche Überprüfung nach Infektionsschutzgesetz anstreben. Derzeit sind drei dimeticonhaltige Medizinprodukte und zwei pyrethroidhaltige Arzneimittel nach Infektionsschutzgesetz anerkannt. Die Anerkennung nach Infektionsschutzgesetz ist erforderlich für Kopflausmittel, die im Rahmen behördlich angeordneter Massenanwendungen (Entwesungen) zum Beispiel in Flüchtlingsunterkünften eingesetzt werden. Zuständig für die behördliche Prüfung nach Infektionsschutzgesetz ist das Umweltbundesamt in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Risikobewertung und dem Bundesamt für gesundheitlichen Verbraucherschutz. Die Anerkennung nach Infektionsschutzgesetz gilt ebenfalls als Nachweis für die Sicherheit und Unbedenklichkeit eines Präparates, wenngleich die Mittelprüfung nicht am Menschen erfolgt, sondern lediglich an Kleiderläusen, die unter Laborbedingungen am Umweltbundesamt gezüchtet werden.

Unabhängig von Arzneimittelzulassung, CE-Kennzeichnung oder Anerkennung nach Infektionsschutzgesetz gilt für alle Präparate: Um eine hohe Wirksamkeit zu gewährleisten und Risiken zu minimieren, muss die Anwendung strikt nach den Angaben der Packungsbeilage erfolgen. Besonders auf die richtige Mittelmenge und die Dauer der Einwirkzeit ist zu achten, aber ebenso auf Anwendungsbeschränkungen. Im Falle einer Chrysanthemenallergie sollte zum Beispiel auf insektizide Wirkstoffe verzichtet werden. Bei Silikonölen (Dimeticon, Cyclomethicon) wiederum warnen Verbraucherschutzbehörden davor, dass während der Anwendung die Gefahr einer Entflammung besteht. Dies gilt auch für Läusesprays, die leicht entzündliche Lösungsmittel oder Treibgase enthalten. Wer entsprechende Präparate verwendet, sollte sich bis zum Auswaschen von Hitzequellen (Fön, Boiler, Zigaretten) fernhalten.

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Kopflausmittel im Überblick

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Pflichtangaben gemäß § 4 HWG:

Goldgeist forte

Wirkstoff: Pyrethrumextrakt

Zur schnellen und gründlichen Vernichtung von Läusen und ihren Nissen. Kopfläuse - Filzläuse - Kleiderläuse. Enthält Chlorocresol. Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie ihren Arzt oder Apotheker.

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Chrysantheme

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