Aus f&uumlr; die Laus

Resistenz bedeutet nicht unwirksam!

Sind Kopfläuse resistent gegen Läusemittel? Über diese Frage wird spekuliert, seit Wissenschaftler der Universität Kiel in einer Laboruntersuchung auch in Deutschland genmutierte Läuse fanden. Die Veränderung im Erbgut soll die Parasiten möglicherweise unempfindlicher machen gegen insektizide Wirkstoffe wie Pyrethrum, Permethrin und Allethrin.

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Wirksam auch gegen resistente Läuse

Diese insektiziden Wirkstoffe haben eine Doppelwirkung. Zunächst paralysieren sie die Läuse ("Knock-Down-Effekt"). Dabei kommt es zur Lähmung ihrer Atemmuskulatur, sodass sie kein Blut mehr saugen können und schließlich absterben ("Kill-Effekt").

Durch die genetische Mutation tritt der Knock-Down-Effekt der Läusemittel verzögert ein, das heißt die Parasiten bleiben länger als üblich bewegungsfähig. Den Kill-Effekt beeinträchtigt sie dagegen nicht. Neuere Untersuchungen haben gezeigt, dass bei den meisten der Patienten, deren Läuse die Mutation aufweisen und die mit einem insektizid wirksamen Arzneimittel behandelt werden, am Ende der Behandlung keine Kopfläuse mehr auffindbar sind. Die Kopflausmittel mit Wirkstoffen wie Pyrethrum (Goldgeist® forte, Bialek R. et al. N Engl J Med 2011; 364: 386-7) oder Permethrin (InfectoPedicul®, Burow H.M. et al. Kinder- und Jugendarzt 2010; 41: 225-9) sind trotz vorhandener, molekularbiologisch nachgewiesener Resistenz der Läuse therapeutisch wirksam.

Im Falle von Goldgeist® forte ermöglicht der breite Wirkfächer des Pyrethrumextrakts ein Überwinden der Resistenz. Pyrethrum besteht aus sechs unterschiedlichen Pyrethrinverbindungen, die jeweils arzneilich wirksam sind und unterschiedliche Vitalfunktionen der Laus angreifen. Zeigt sich die Laus gegen die lähmenden Komponenten des Pyrethrums resistent, bedeutet das nicht, dass sie die gleiche Resistenz auch gegen die abtötenden Komponenten besitzt. Hinzu kommt, dass Pyrethrum in Goldgeist® forte mit dem Resistenzbrecher Piperonylbutoxid als Hilfsstoff kombiniert wird. So ist es möglich, dass resistente Läuse zwar länger bewegungsfähig bleiben, der Behandlung mit Goldgeist® forte aber dennoch zum Opfer fallen.

Dass Pyrethrum auch bei bestehenden, durch Genmutation hervorgerufenen Resistenzen klinisch wirksam ist, belegen auch Daten aus einer französischen Studie (Duchon S. et al. J. Med. Entomol. 2009; 46: 516-22) mit resistenten Malariamücken. Zwar trat der Kill-Effekt auch hier zeitverzögert ein, erreichte aber mit 90 Prozent ein klinisch relevantes Ausmaß. In der Malaria-Prophylaxe wird Pyrethrum deshalb bereits als wirksame Alternative diskutiert, falls die Überträger-Mücken durch genetische Mutation unempfindlich gegen synthetische Wirkstoffe werden.

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Kopflausmittel werden oft falsch angewendet

Schon vor beinahe zehn Jahren gingen Ärzte in einer Umfrage des Forschungsinstituts INSIGHT Health davon aus, dass Kopfläuse die Therapie in Einzelfällen überleben können. Gleichwohl glaubten sie nicht, dass vorwiegend Resistenzen der Grund für eine allgemeine Zunahme von Kopflausbefall in Deutschland sind. Ausschlaggebend für eine Zunahme waren nach Ansicht der meisten Ärzte seinerzeit vielmehr der Verzicht auf behördlich anerkannte Kopflausmittel beziehungsweise deren fehlerhafte Anwendung. Fehler bei der Anwendung wie zum Beispiel ein Unterschreiten der Einwirkzeit oder der Verzicht auf eine Wiederholungsbehandlung sind weit verbreitet. Nach einer Studie der Universität Kiel im Herbst 2009 verwenden nicht einmal zwei Drittel der Betroffenen das jeweilige Kopflausmittel nach Vorschrift.

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Resistenzen vor allem im Ausland verbreitet

Gleichwohl mahnt das Robert-Koch-Institut zur Vorsicht. Zwar würden Resistenzen von Kopfläusen gegenüber Pyrethroiden in Deutschland bisher nur vereinzelt vermutet. Repräsentative wissenschaftliche Untersuchungen zur Erfassung von Resistenzen bei Kopfläusen gegenüber Insektiziden würden jedoch bisher nicht durchgeführt. Die in anderen europäischen Ländern (z.B. Dänemark, Großbritannien) und auch weltweit beobachteten Resistenzen, insbesondere gegen Permethrin und Malathion (in Deutschland nicht als Läusemittel zugelassen), würden daher zu besonderer Aufmerksamkeit verpflichten.

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Natürliche Resistenzen bei Läusen

Läuse besitzen wie alle Lebewesen von Natur aus eine gewisse Widerstandsfähigkeit gegenüber schädigenden Einflüssen. Folglich besitzen sie auch so etwas wie eine natürliche Resistenz gegenüber Läusemitteln. Dies fängt mit einer simplen Verhaltensresistenz an: Sobald Läuse in Kontakt mit dem Läusemittel geraten, versuchen sie, sich dem Mittel durch Flucht zu entziehen. Diese Form der Resistenz besteht gegenüber allen Kopflauspräparaten - auch gegenüber solchen mit physikalischem Effekt.

Gegen Präparate, die nicht das Nervensystem, sondern die Atmungsfähigkeit der Laus blockieren, schützt zudem ein natürlicher Reflex: Durch Veränderung des Drucks versuchen sie, Fremdstoffe wie die vor allem in Medizinprodukten eingesetzten Öle aus ihrem Atmungsorgan, den sogenannten Tracheen zu entfernen. Durch einen verlangsamten Stoffwechsel gelingt es ihnen außerdem, über eine gewisse Zeit auch ohne Atmung zu überleben. (Martin E. Pharm. Ztg. 2007; 152: 1836-1845)

Diese und andere Abwehrmechanismen einer Laus machen Arzneimittel und Medizinprodukte jedoch nicht automatisch unwirksam. Entscheidend ist, dass die Mittel richtig eingesetzt werden.

Die richtige Anwendung ist dabei nicht nur die allerwichtigste Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Therapie. Sie ist auch notwendig, damit sich aus der natürlichen Widerstandsfähigkeit der Laus keine globale Therapieresistenz entwickelt. Denn wenn Fehler bei der Anwendung dazu führen, dass zwar sensible Läuse abgetötet werden, die widerstandsfähigeren Exemplare jedoch gleichzeitig überleben, dann können sich diese im Sinne einer resistenten Population immer weiter ausbreiten. Die Behandlung von Kopflausbefall würde damit immer schwieriger werden.

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Regeln zum Schutz vor Resistenzen

Mit einigen wenigen Regeln gelingt es, einer solchen Ausbreitung vorzubeugen − ganz unabhängig davon, ob Kopflausmittel mit neurotoxischen oder physikalischen Wirkstoffen eingesetzt werden.

1. Zu kurze Einwirkzeiten vermeiden: Bei jedem Kopflausmittel wird in der Gebrauchsinformation angegeben, wie lange das Mittel einwirken soll. Diese Zeitangabe ist nicht willkürlich. Sie korreliert mit der im Präparat verwendeten Wirkstoffkonzentration. Es ist exakt die Dauer, die benötigt wird, damit das Präparat aufgrund seiner jeweiligen Wirkstoffkonzentration Läuse, Larven und gegebenenfalls auch die Nissen sicher abtöten kann. Bei Arzneimitteln erfolgt die Ermittlung der Einwirkzeit auf Basis von Qualitätsstudien in enger Abstimmung mit dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte.

2. Mittel nicht zu sparsam aufbringen: Auch zur benötigten Substanzmenge macht die Packungsbeilage im Regelfall Angaben. In der Praxis sind diese jedoch meist schwer zu interpretieren. Zum Beispiel 50-75 ml bei mittlerer Haarlänge − was heißt das? Ab welcher Länge sind Haare lang, wann sind sie mittellang oder wann kurz? Abgesehen davon ist nicht nur die Länge entscheidend, sondern auch die Haardichte. Wichtig ist, dass das gesamte Haupthaar optisch erkennbar und intensiv durchfeuchtet ist. Ansonsten reicht die im Haar befindliche Wirkstoffkonzentration unter Umständen nicht aus, um alle Läuse sicher abzutöten.

3. Keine Haarpartien auslassen: Wie bereits erwähnt, gehört es zu den natürlichen Abwehrmechanismen einer Laus, sich dem Läusemittel durch Flucht zu entziehen. In der Regel erfolgt die Flucht hin zur Haarspitze. Deshalb ist es wichtig, alle Haarpartien zu behandeln, damit die Läuse keine Fluchtmöglichkeit besitzen. Denn wegfliegen können sie − anders als Mücken − nicht. Das ist auch der Grund, warum selbst resistente Läuse, die trotz Mittelkontakt länger bewegungsfähig bleiben („Knock-Down-Resistenz”), dennoch sterben. Auf Dauer können sie sich dem Mittel nicht entziehen. Ihre Mobilität nützt ihnen nichts, wenn alle Haarpartien ausreichend intensiv behandelt sind.

4. Mittel nicht in triefend nassem Haar anwenden: Die Anwendung in nassem Haar hat einen Nachteil. Es besteht das Risiko einer zu starken Verdünnung. Die Folge ist ein Dosisabfall. Das heißt, auch in diesem Fall würde die Wirkstoffkonzentration nicht mehr ausreichen, um die Läuse sicher abzutöten. Im Ausland werden Kopflausmittel mitunter als wässrige Lösung angeboten. In Deutschland ist das anders. Arzneimittel beispielsweise mit Pyrethrumextrakt oder Permethrin sind alkoholische Lösungen. Alkohol verdunstet schneller als Wasser, sodass der Wirkstoff unverdünnt im Haar zurückbleibt. Die Wahl eines wässrigen Lösungsmittels gilt ebenso wie der Verzicht auf resistenzbrechende Hilfsstoffe wie zum Beispiel Piperonylbutoxid (in Deutschland in Präparaten mit Pyrethrum und Allethrin) als mögliche Ursache, warum Resistenzen im Ausland zu Therapieversagen führen, in Deutschland dagegen im Regelfall nicht.

5. Auskämmen, Nachkontrolle und Wiederholungsbehandlung nicht vergessen: Trotz aller Vorsicht kann es bei allen Kopflausmitteln passieren, dass am Ende doch vereinzelte Läuse oder auch Larven in ihren schützenden Nissen überleben. Deshalb ist es wichtig, die Haare neben der medikamentösen Behandlung sorgfältig auszukämmen. Das Kämmen hat laut Robert-Koch-Institut therapeutische Bedeutung und trägt dazu bei, eventuell überlebende Läuse zu eliminieren. Ebenso muss der Behandlungserfolg kontrolliert und gegebenenfalls eine zweite Anwendung durchgeführt werden. Nach den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts sollte diese Wiederholungsbehandlung sogar immer durchgeführt werden und zwar etwa neun Tage nach der Erstbehandlung. Spätestens dann sind nämlich alle Larven aus den Nissen geschlüpft, haben aber selbst noch keine Eier gelegt. (s. Behandlungsschema)

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Pflichtangaben gemäß § 4 HWG:

Goldgeist forte

Wirkstoff: Pyrethrumextrakt

Zur schnellen und gründlichen Vernichtung von Läusen und ihren Nissen. Kopfläuse - Filzläuse - Kleiderläuse. Enthält Chlorocresol. Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie ihren Arzt oder Apotheker.

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